Wer im Netz nach den Kosten für ein großes Blutbild sucht, findet Angaben zwischen 5 Euro und 1.000 Euro. Beide Zahlen stimmen — sie beantworten nur unterschiedliche Fragen. Dieser Beitrag rechnet es Ziffer für Ziffer vor, damit Sie wissen, worüber gerade gesprochen wird.
Die Kurzantwort — drei Zahlen für drei Situationen
- ▸ Mit medizinischer Indikation, gesetzlich versichert: 0 Euro. Die Kasse zahlt.
- ▸ Als Selbstzahlerin im Labor: rund 5,36 Euro für das große Blutbild selbst, plus etwa 4 bis 5 Euro für die Blutentnahme.
- ▸ Als Teil eines Check-up-Pakets: 60 bis über 500 Euro — je nachdem, wie viele Zusatzwerte und ob eine ärztliche Beratung enthalten ist.
Die Spanne im Netz entsteht fast immer dadurch, dass Laboranalyse, Blutentnahme, Beratung und Zusatzwerte munter vermischt werden.
Warum die Preisangaben so weit auseinandergehen
Der Grund ist simpel, wird aber selten erklärt: Vier verschiedene Dinge werden unter demselben Begriff verkauft.
- Die reine Laboranalyse. Das Gerät zählt Ihre Blutzellen. Das kostet wenige Euro.
- Die Blutentnahme. Eine ärztliche Leistung, separat abgerechnet.
- Zusatzwerte. Schilddrüse, Eisen, Vitamin D, Leber, Niere — jeder Wert kostet extra und ist oft teurer als das Blutbild selbst.
- Die ärztliche Beratung. Das Gespräch, in dem jemand die Zahlen einordnet.
Wer 5,36 Euro liest, sieht Position 1. Wer 1.000 Euro liest, sieht ein Paket aus allen vieren, meist in einer Privatklinik und mit dreißig Einzelwerten. Dazwischen liegt alles.
Kleines und großes Blutbild — der Unterschied
Das kleine Blutbild zählt rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen, dazu Hämoglobin und Hämatokrit. Es beantwortet die Fragen: Habe ich eine Blutarmut? Gibt es Hinweise auf eine Infektion oder eine Gerinnungsstörung?
Das große Blutbild ist das kleine Blutbild plus das sogenannte Differenzialblutbild — die Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen in ihre Untergruppen. Das ist der Zusatz, der etwa bei unklaren Infekten, Allergien oder dem Verdacht auf Bluterkrankungen relevant wird.
Merksatz
Ein großes Blutbild sagt nichts über Ihre Schilddrüse, Ihre Eisenspeicher, Ihren Vitamin-D-Status, Ihre Leber oder Ihren Langzeitblutzucker aus. Diese Werte sind nicht enthalten — sie müssen einzeln beauftragt und bezahlt werden. Das ist der häufigste Irrtum überhaupt.
Was die gesetzliche Kasse zahlt — und was nicht
Zwei Fälle sind zu unterscheiden.
Fall 1: Es gibt eine medizinische Indikation
Sie haben Beschwerden, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hält die Untersuchung für erforderlich — dann ist das Blutbild eine Kassenleistung und kostet Sie nichts. Das gilt auch für Zusatzwerte wie TSH oder Ferritin, sofern eine begründete Fragestellung vorliegt. Sie können ein Blutbild also nicht einfach „bestellen“, aber Sie können Ihre Beschwerden schildern und um eine Abklärung bitten.
Fall 2: Es geht um Vorsorge ohne Beschwerden — der Check-up 35
Hier wird es überraschend eng, und das ist der Punkt, an dem sich die meisten täuschen. Die Gesundheitsuntersuchung nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses umfasst:
- ▸ Versicherte von 18 bis 34 Jahren: einmalig, Laboruntersuchungen nur bei vorliegenden Risikofaktoren
- ▸ Versicherte ab 35 Jahren: alle drei Jahre
- ▸ An Blutwerten: das Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride) und der Nüchternblutzucker (in der Richtlinie: Nüchternplasmaglukose)
- ▸ Dazu ab 35 ein Harnstreifentest und einmalig ein Screening auf Hepatitis B und C
⚠ Das überrascht die meisten
Beim Check-up 35 ist kein Blutbild enthalten — weder ein kleines noch ein großes. Ebenfalls nicht enthalten: TSH, Ferritin, Vitamin D, Leber- und Nierenwerte. Wer diese Werte im Rahmen der Vorsorge möchte, zahlt sie selbst.
Selbstzahler-Preise: die GOÄ-Ziffern im Einzelnen
Wenn Sie selbst zahlen, orientiert sich der Preis an der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Deren Punktwert liegt bei 0,0582873 Euro je Punkt. Jede Leistung hat eine Punktzahl, die mit einem sogenannten Steigerungsfaktor multipliziert wird — der Spielraum, den die GOÄ dem Arzt lässt. Für Laborleistungen (Abschnitt M) reicht er von 1,0- bis 1,3-fach, mit einem Regelhöchstsatz von 1,15. Das ist der Faktor, an dem sich deutsche Direktlabore in der Praxis orientieren.
| GOÄ | Leistung | Punkte | Betrag (Faktor) |
|---|---|---|---|
| 3550 | Blutbild und Blutbildbestandteile (kleines Blutbild) | 60 | 4,02 € (1,15) |
| 3551 | Differenzierung der Leukozyten (zusätzlich zu 3550) | 20 | 1,34 € (1,15) |
| 250 | Blutentnahme aus der Vene | 40 | 4,20 € (1,8) bzw. 5,36 € (2,3)* |
| 4030 | TSH (Schilddrüse) | 250 | 16,76 € |
| 3742 | Ferritin (Eisenspeicher) | 250 | 16,76 € |
| 4138 | 25-OH-Vitamin D | 480 | 32,17 € |
| 3561 | HbA1c (Langzeitblutzucker) | 200 | 13,41 € |
| 3562–3565 | Cholesterin, HDL, LDL, Triglyceride (je) | 40 | 2,68 € |
| 3587/3592/3595 | Alk. Phosphatase, Gamma-GT, GPT (je) | 40 | 2,68 € |
| 1 bzw. 3 | Beratung (2,3-fach, ärztliche Leistung) | 80 / 150 | 10,72 € / 20,11 € (2,3) |
* Die Blutentnahme ist eine ärztliche Leistung (GOÄ-Abschnitt C) mit einem Rahmen von 1,0- bis 3,5-fach und einem Regelhöchstsatz von 2,3 — das wären 5,36 €. Viele Direktlabore rechnen freiwillig mit dem 1,8-fachen Satz ab und weisen 4,20 € aus. Die GOÄ gilt weiterhin in der Fassung von 1996; eine reformierte Gebührenordnung ist bislang nicht in Kraft. Alle Angaben Stand 09/2026.
Rechenbeispiel 1: nur das große Blutbild
Kleines Blutbild (4,02 €) plus Differenzierung (1,34 €) ergibt 5,36 Euro für die Analyse. Mit Blutentnahme landen Sie bei etwa 9,60 bis 10,70 Euro. Genau diese Größenordnung finden Sie auch in den veröffentlichten Preislisten deutscher Direktlabore — dort steht das große Blutbild mit 5,36 bis 6,38 Euro (letzteres inklusive Mehrwertsteuer).
Rechenbeispiel 2: das, was die meisten eigentlich wollen
Die wenigsten interessieren sich für die Leukozytenverteilung. Gesucht wird meist die Antwort auf: „Warum bin ich ständig müde?“ Dafür braucht man ein anderes Paket — und der Preis sieht anders aus.
| Großes Blutbild | 5,36 € |
| TSH | 16,76 € |
| Ferritin | 16,76 € |
| 25-OH-Vitamin D | 32,17 € |
| Blutentnahme | 4,20 € |
| Summe | 75,25 € |
Alle Beträge zum 1,15-fachen GOÄ-Satz, Blutentnahme zum 1,8-fachen. In der Praxis weichen die Anbieter davon ab: Für Vitamin D finden sich veröffentlichte Preise zwischen 21,43 und 38,28 Euro. Selbstzahler-Labore kalkulieren ihre Preise frei — die GOÄ ist hier nur ein Orientierungsrahmen. Eine ärztliche Beratung ist in keiner dieser Zahlen enthalten.
Privat versichert
Privatversicherte erhalten eine Rechnung nach GOÄ und reichen sie bei ihrer Versicherung ein. Erstattet wird in der Regel, was medizinisch begründet ist — der Steigerungsfaktor und die Frage der Indikation sind dabei die üblichen Streitpunkte. Reine Wunschleistungen ohne Beschwerden werden auch privat nicht zwingend übernommen. Ein Blick in die eigenen Versicherungsbedingungen lohnt sich vor der Untersuchung, nicht danach.
✓ Praxis-Tipp
Fragen Sie vor der Blutentnahme nach einem schriftlichen Kostenvoranschlag mit den GOÄ-Ziffern. Seriöse Anbieter geben ihn heraus. Wer Ihnen nur eine Pauschale nennt, ohne aufzuschlüsseln, welche Ziffern mit welchem Faktor abgerechnet werden, verkauft Ihnen ein Paket — kein Labor.
Die dritte Option: Heimtests
Seit einigen Jahren gibt es Anbieter, bei denen Sie zu Hause selbst eine kleine Blutprobe gewinnen — per Fingerstich oder mit einem Kapillarsystem am Oberarm — und diese an ein Labor einschicken. Der Preisvergleich ist hier ehrlicherweise gemischt.
Zum Nachrechnen dieselben 17 Werte einzeln nach GOÄ, jeweils zum 1,15-fachen Satz:
| 25-OH-Vitamin-D3 (4138) | 32,17 € |
| SHBG (3765) | 30,16 € |
| Prolaktin (4041) | 23,46 € |
| TSH (4030), fT3 (4022), fT4 (4023), Ferritin (3742) — je 16,76 € | 67,04 € |
| hs-CRP (3741), Cystatin C (analog 3754), HbA1c (3561) — je 13,41 € | 40,23 € |
| Cholesterin, LDL, HDL, Triglyceride, Gamma-GT, GPT, Alk. Phosphatase — je 2,68 € | 18,76 € |
| Blutentnahme (250, 1,8-fach) | 4,20 € |
| Summe nach GOÄ, ohne Umsatzsteuer | 216,02 € |
Der Vergleich hat allerdings einen Haken, der offengelegt gehört: Die 240 Euro sind ein Endkundenpreis. Die 216 Euro sind es nicht — mehrere Selbstzahler-Labore weisen auf ihre Preise 19 Prozent Umsatzsteuer aus, dann läge dieselbe Zusammenstellung bei rund 257 Euro. Je nachdem, welche Vergleichsbasis Sie wählen, liegt der Heimtest also gut 24 Euro darüber oder rund 17 Euro darunter. Was er in jedem Fall spart, sind Terminsuche und Anfahrt; ausgewertet wird in nach ISO 15189 akkreditierten deutschen Laboren.
Die ehrliche Einordnung
Es wäre bequem, an dieser Stelle zu schreiben, Vorsorge sei immer gut und jeder Wert bringe Klarheit. Es wäre auch falsch.
- ⚠ Ein Cochrane-Review von 2019 hat die Studienlage zu allgemeinen Gesundheits-Checks bei Erwachsenen zusammengefasst. Das Ergebnis: Sie senken weder die Sterblichkeit noch die Krankheitslast. Sie erhöhen aber die Zahl der Folgeuntersuchungen und Behandlungen — was helfen kann, aber auch schaden.
- ⚠ Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hat 2018 in einer Stellungnahme zum Check-up 35 festgehalten, dass dessen Nutzen „bezogen auf kardiovaskuläre Endpunkte und Überleben, populationsbasiert gering“ ist. Dieselbe Stellungnahme spricht sich ausdrücklich gegen die routinemäßige Bestimmung von Leberenzymen ohne Indikation und gegen ein TSH-Screening bei Beschwerdefreien aus.
- ⚠ Der IGeL-Monitor — ein Portal des Medizinischen Dienstes, das individuelle Gesundheitsleistungen wissenschaftlich bewertet — bewertet die Früherkennungsuntersuchung auf Vitamin-D-Mangel mit „unklar“ und stellt fest, dass keine Studien existieren, die Nutzen oder Schaden eines solchen Screenings untersucht haben. Kosten laut IGeL-Monitor: 27 bis 33 Euro je Untersuchung, zuzüglich Blutentnahme und Beratung.
- ⚠ Jeder gemessene Wert kann zufällig außerhalb des Referenzbereichs liegen, ohne dass etwas fehlt. Je mehr Werte Sie messen, desto wahrscheinlicher wird ein solcher Zufallsbefund — und desto wahrscheinlicher folgen daraus weitere Untersuchungen.
Zusammengefasst: Wenn Sie Beschwerden haben, ist gezielte Diagnostik sinnvoll und meist auch eine Kassenleistung — sprechen Sie zuerst mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Wenn Sie sich gut fühlen und aus Neugier ein möglichst großes Panel kaufen wollen, kaufen Sie vor allem Wahrscheinlichkeiten für Zufallsbefunde. Der sinnvollste Selbstzahler-Fall liegt dazwischen: Sie haben ein konkretes Anliegen, die Kasse zahlt den Wert nicht, und Sie wollen ihn trotzdem kennen.
Was ein Preisvergleich nicht abbildet
Drei Dinge kosten nichts extra und sind trotzdem das Wertvollste am Weg über die Praxis: Jemand kennt Ihre Vorgeschichte. Jemand ordnet einen grenzwertigen Wert vor dem Hintergrund Ihrer Beschwerden ein. Und jemand ist zuständig, wenn ein Wert auffällig ist. Ein Laborpreis von gut fünf Euro ist konkurrenzlos günstig — aber er kauft ausschließlich die Zahl.
⚠ Wann Sie nicht sparen sollten
- ⚠ Bei Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände — und ist dann Kassenleistung, kein Selbstzahler-Thema
- ⚠ Ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber ohne Erklärung, tastbare Lymphknoten: umgehend ärztlich abklären
- ⚠ Blutungsneigung, auffällige blaue Flecken, Blut im Stuhl oder Urin
- ⚠ Ein auffälliger Selbstzahler-Befund ohne ärztliche Einordnung — lassen Sie ihn besprechen, statt selbst zu recherchieren
Häufige Fragen
Kann ich beim Hausarzt einfach ein großes Blutbild verlangen?
Verlangen im Sinne eines Anspruchs: nein. Als Kassenleistung braucht es eine medizinische Begründung. Sie können aber jederzeit als Selbstzahlerin darum bitten — dann wird nach GOÄ abgerechnet, und Sie sollten vorher nach den Kosten fragen.
Brauche ich eine Überweisung für ein Selbstzahler-Labor?
Bei Direktlaboren, die sich ausdrücklich an Selbstzahler richten, in der Regel nicht — dort ist die Blutentnahme Teil des Angebots. Die Preislisten dieser Anbieter sind öffentlich einsehbar, ein Vergleich lohnt sich, weil die Preise für denselben Wert deutlich schwanken.
Warum kostet Vitamin D bei einem Anbieter 21 und beim nächsten 38 Euro?
Weil Selbstzahler-Labore ihre Preise frei kalkulieren und nicht zwingend nach GOÄ abrechnen. Zur Orientierung: Der 1,15-fache Satz der Ziffer 4138 liegt bei 32,17 Euro, der gesetzliche Mindestsatz (1,0-fach) bei 27,98 Euro. Ein Preis von 21,43 Euro liegt also unter dem einfachen GOÄ-Satz, 38,28 Euro entsprechen dem 1,15-fachen Satz zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer. Nachfragen lohnt sich.
Ist der Check-up 35 kostenlos?
Ja, für gesetzlich Versicherte — ab 35 alle drei Jahre, zwischen 18 und 34 einmalig. Enthalten sind aber nur das Lipidprofil und der Nüchternblutzucker, kein Blutbild und keine Schilddrüsen-, Eisen- oder Vitamin-D-Werte.
Lohnt sich ein Komplettpaket gegenüber Einzelwerten?
Rechnerisch dann, wenn Sie tatsächlich die meisten enthaltenen Werte wollten. Bei zwei oder drei gewünschten Werten sind Einzelbestimmungen im Selbstzahler-Labor fast immer günstiger. Rechnen Sie es einmal durch, bevor Sie ein Paket kaufen.
⚠ Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle Preisangaben sind Stand 09/2026 und können sich ändern; verbindlich ist immer die Auskunft des jeweiligen Anbieters. Die GOÄ-Beträge beruhen auf dem geltenden Punktwert und dem für Laborleistungen üblichen Steigerungsfaktor 1,15 — im Einzelfall kann anders abgerechnet werden.
Quellen
- Krogsbøll LT et al. General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database Syst Rev 2019. PMID 30699470. doi:10.1002/14651858.CD009009.pub3
- Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin. Stellungnahme zur Check-up-35-Untersuchung, 2018. dgim.de
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie. g-ba.de
- IGeL-Monitor. Früherkennungsuntersuchung auf Vitamin-D-Mangel. Bewertung „unklar“, Stand 11/2022. igel-monitor.de
- Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), Fassung 1996; Punktwert 0,0582873 € gemäß § 5 Abs. 1 GOÄ. Ziffernbeträge nach öffentlich einsehbaren GOÄ-Verzeichnissen, Abruf 09/2026.
- Preislisten deutscher Selbstzahler-Labore, Abruf 09/2026.
Literaturrecherche über PubMed. Stand des Beitrags: 09.09.2026.



