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Multiple Sklerose und Menopause: Größte Studie gibt Entwarnung
Endlich Klarheit für Frauen mit MS
Stellen Sie sich vor, Sie leben mit Multipler Sklerose (MS) und nähern sich den Wechseljahren. Neben den ohnehin belastenden MS-Symptomen sorgen Sie sich, dass die hormonellen Veränderungen Ihre Erkrankung verschlimmern könnten. Diese Angst begleitet viele der geschätzten 30-40% aller MS-Patientinnen, die sich in der Menopause befinden oder darauf zusteuern. Doch eine bahnbrechende neue Studie liefert nun beruhigende Erkenntnisse: Die Menopause selbst erhöht nicht das Risiko für eine Verschlechterung der Behinderung bei Frauen mit MS.
Die im renommierten Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte Untersuchung der Monash University ist die bisher größte ihrer Art und räumt mit widersprüchlichen Ergebnissen kleinerer Studien auf. Was bedeutet das konkret für betroffene Frauen und ihre medizinische Betreuung?
Was ist Multiple Sklerose und warum sind vorwiegend Frauen betroffen?
Multiple Sklerose ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Schutzhüllen der Nervenfasern (Myelin) im zentralen Nervensystem angreift. MS betrifft dreimal mehr Frauen als Männer und tritt bei etwa 1 von 800 Australiern auf. Diese deutliche Geschlechterdifferenz hat Forschende seit langem zu der Annahme geführt, dass Geschlechtshormone eine wichtige Rolle im Krankheitsverlauf spielen könnten.
Die Symptome von MS sind vielfältig und können Sehstörungen, Koordinationsprobleme, Fatigue (extreme Müdigkeit), kognitive Beeinträchtigungen und Mobilitätseinschränkungen umfassen. Da viele dieser Beschwerden auch während der Menopause auftreten können, war es bisher schwierig, die beiden Phänomene voneinander zu trennen.
Die Studie: So wurde geforscht
Die von der Monash University geleitete Studie bewertete, ob die Menopause das Risiko einer Behinderungsprogression bei Frauen mit schubförmiger MS verändert. Die Forschenden analysierten zwei große Datensätze:
Internationale Kohorte: Über 1.300 Frauen aus 30 Ländern wurden durchschnittlich etwa 5 Jahre lang beobachtet. Die Daten stammten aus dem MSBase-Register, einer der weltweit größten MS-Datenbanken.
Australische Kohorte: 987 australische Frauen mit MS aus acht spezialisierten Neuroimmunologie-Zentren, von denen 404 (40%) die Menopause durchlaufen hatten, wurden durchschnittlich über 14 Jahre nachbeobachtet.
Die Wissenschaftler verglichen die Behinderungsprogression in den fünf Jahren vor und nach der Menopause und bezogen auch eine Kontrollgruppe von Männern in ähnlichem Alter ein, um altersbedingte Veränderungen von menopausebedingten Effekten zu unterscheiden.
Die Hauptergebnisse: Was die Forschung zeigt
Menopause verschlimmert MS nicht direkt
Die Studie fand heraus, dass die Menopause nicht mit einem erhöhten Risiko für Behinderungsakkumulation bei Frauen mit MS assoziiert ist. Das bedeutet konkret: Die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre beschleunigen den Krankheitsverlauf nicht zusätzlich.
Alterungsprozesse sind der Schlüsselfaktor
Die Zunahme der Behinderung, die wir rund um das 50. Lebensjahr beobachten, ist nicht direkt auf die Menopause zurückzuführen, sondern wahrscheinlich auf andere Alterungsprozesse, die alle Menschen unabhängig von Geschlecht oder Gender betreffen. Diese Erkenntnis ist fundamental wichtig für das Verständnis der MS-Progression.
Warum bisherige Studien widersprüchlich waren
Dr. Francesca Bridge, die Erstautorin und Neurologin am Alfred Health, erklärt den wissenschaftlichen Kontext: „Frühere Studien haben diese Frage ebenfalls untersucht, aber widersprüchliche Ergebnisse berichtet. Diese Studien waren recht klein und berichteten über 74-148 postmenopausale Frauen, die über lange Zeiträume beobachtet wurden”. Die neue Studie ist mit ihren über 1.300 internationalen und fast 1.000 australischen Teilnehmerinnen deutlich aussagekräftiger.
Was bedeutet das für Sie? Praktische Implikationen
Für Frauen mit MS in der Menopause
Diese Forschungsergebnisse sollten eine erhebliche Entlastung darstellen. Dr. Bridge betont: „Die Ergebnisse sollten Frauen mit MS, die die Menopause durchlaufen, und ihre Ärzte beruhigen, dass sie ihre MS nicht verschlimmern wird”. Sie können die Wechseljahre durchleben, ohne sich zusätzliche Sorgen über eine beschleunigte MS-Progression machen zu müssen.
Für die medizinische Versorgung
Die Studie wird die gesundheitliche und klinische Betreuung von Frauen mit MS während der Menopause leiten. Ärzte können ihre Patientinnen nun evidenzbasiert beraten und unnötige Ängste abbauen.
Symptomüberschneidungen bleiben eine Herausforderung
Dennoch ist wichtig zu verstehen: Auch wenn die Menopause MS nicht verschlimmert, können sich die Symptome beider Zustände überlappen. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, kognitive Veränderungen und Blasenprobleme treten sowohl bei MS als auch in den Wechseljahren auf. Eine sorgfältige medizinische Beurteilung bleibt daher wichtig, um die richtige Behandlung für jedes Symptom zu finden.
Der hormonelle Zusammenhang: Was passiert während der Menopause?
Östrogen und Progesteron im Wandel
„Während der Perimenopause (Wechseljahre) schwankt die Menge an Östrogen und Progesteron bei Frauen stark, bevor die Spiegel dieser Hormone in der Menopause deutlich abfallen”, erklärt Dr. Bridge. Diese hormonellen Veränderungen beeinflussen zahlreiche Körperfunktionen, da Östrogen eine wichtige Rolle im Immunsystem und im Nervensystem spielt.
Die ursprüngliche Hypothese
Die Forschenden hatten untersucht, ob der Verlust der Geschlechtshormone in der Menopause der Grund für eine MS-Verschlechterung bei Frauen in der Lebensmitte sein könnte. Die Studie widerlegt diese Hypothese nun eindeutig.
Unterschiedliche Forschungsergebnisse: Der aktuelle Diskurs
Interessanterweise zeigen nicht alle aktuellen Studien identische Ergebnisse, was die Komplexität der MS-Forschung unterstreicht:
Die UCSF-Studie zeigt subtile Veränderungen
Eine Studie der University of California San Francisco fand heraus, dass nach der Menopause das Gehen der Patientinnen langsamer wurde und es subtilere Veränderungen bei Feinmotorik und kognitiven Fähigkeiten gab. Diese Untersuchung verwendete jedoch andere Messinstrumente (MSFC statt EDSS) und konzentrierte sich auf funktionelle Details.
Warum verschiedene Studien zu unterschiedlichen Schlüssen kommen
Das EDSS (Expanded Disability Status Scale) hat eine Reihe von Einschränkungen und kann auch Veränderungen messen, die nicht mit MS zusammenhängen, wie höheres Alter und die Einnahme mehrerer Medikamente, die beide die Mobilität beeinflussen können. Die methodischen Unterschiede zwischen Studien erklären teilweise die verschiedenen Ergebnisse.
Was die Forschung noch nicht beantworten kann
Offene Fragen zur Hormontherapie
Ob eine Hormonersatztherapie möglicherweise schützende Effekte für Frauen mit MS haben könnte, bleibt eine offene Frage. Während einige Studien auf potenzielle Vorteile hindeuten, sind randomisierte kontrollierte Studien notwendig, um dies definitiv zu klären.
Individuelle Unterschiede
Nicht alle Frauen mit MS erleben die Menopause gleich. Faktoren wie der Zeitpunkt des Menopauseeintritts, ob die Menopause natürlich oder chirurgisch eintrat, und die individuelle Krankheitsaktivität können eine Rolle spielen.
Langzeitauswirkungen
Die Studie schloss: „Obwohl reproduktives Altern additiv zu den Effekten des somatischen Alterns sein könnte, unterstützt unsere Studie die Menopause nicht als führenden Faktor für die Behinderungsprogression bei älteren Frauen mit MS”. Weitere Langzeitstudien werden das Zusammenspiel von verschiedenen Alterungsprozessen weiter klären.
Praktische Tipps für den Alltag
Kommunikation mit Ihrem Neurologen
Teilen Sie Ihrem Arzt offen mit, ob Sie perimenopausale oder menopausale Symptome erleben. Eine klare Zuordnung der Symptome hilft bei der gezielten Behandlung.
Ganzheitlicher Ansatz
Sowohl MS als auch Menopause profitieren von einem gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung (angepasst an Ihre Möglichkeiten), Stressmanagement und ausreichend Schlaf.
Symptommanagement
Für menopausale Symptome stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung, von Hormontherapie bis zu nicht-hormonellen Alternativen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Option für Sie geeignet ist.
Psychologische Unterstützung
„Die Menopause kann für viele Frauen eine herausfordernde Zeit sein”, sagt Dr. Bridge. „Diese Studie gibt Frauen mit MS eine Sorge weniger”. Dennoch kann psychologische Unterstützung hilfreich sein, um mit beiden Übergangsphasen umzugehen.
Ausblick: Die Zukunft der Forschung
Die Wissenschaft macht kontinuierlich Fortschritte im Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Hormonen, Immunsystem und MS. Associate Professor Vilija Jokubaitis, stellvertretende Leiterin der Abteilung für Neurowissenschaften an der Monash University, betont, dass bis jetzt die Auswirkungen der Menopause auf den MS-Krankheitsverlauf unklar blieben – diese Studie bringt nun wichtige Klarheit.
Zukünftige Forschung wird sich darauf konzentrieren, ob gezielte Interventionen während der Menopause zusätzliche Vorteile bringen könnten und wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen von personalisierten Behandlungsansätzen profitieren können.
Fazit: Eine Last weniger
Für die geschätzten Millionen Frauen weltweit, die mit MS leben und sich der Menopause nähern oder diese durchleben, bietet diese Studie eine wichtige Botschaft der Beruhigung. Die Wechseljahre an sich beschleunigen nicht die MS-Progression. Die Behinderungszunahme, die oft um das 50. Lebensjahr beobachtet wird, ist Teil des allgemeinen Alterungsprozesses und nicht spezifisch durch die hormonellen Veränderungen der Menopause verursacht.
Diese Erkenntnis ermöglicht es Ihnen und Ihrem Behandlungsteam, sich auf die wirklich wichtigen Aspekte der MS-Therapie zu konzentrieren und die Menopause als das zu behandeln, was sie ist: eine natürliche Lebensphase, die zwar ihre eigenen Herausforderungen mit sich bringt, aber Ihre MS-Erkrankung nicht zusätzlich erschwert.
Referenzen
[1] Bridge, F., et al. (2025). Menopause Impact on Multiple Sclerosis Disability Progression. JAMA Neurology. DOI: 10.1001/jamaneurol.2025.3538
[2] Wallin, M.T., Culpepper, W.J., Campbell, J.D., et al. (2019). The prevalence of MS in the United States: a population-based estimate using health claims data. Neurology, 92(10), e1029-e1040.
[3] Reich, D.S., Lucchinetti, C.F., Calabresi, P.A. (2018). Multiple sclerosis. New England Journal of Medicine, 378(2), 169-180.
[4] Silverman, H.E., Bostrom, A., Nylander, A.N., et al. (2025). Association of Menopause With Functional Outcomes and Disease Biomarkers in Women With Multiple Sclerosis. Neurology, 104(2), e210228. DOI: 10.1212/WNL.0000000000210228
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Hinweis für Leser: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Besprechen Sie alle Fragen zu Ihrer Gesundheit und Behandlung mit Ihrem Arzt oder Neurologen.



