Sie stehen auf – und für ein paar Sekunden wird es schwarz vor den Augen, die Ohren rauschen, der Kopf wird leicht. Dieses Muster ist so charakteristisch, dass Sie es mit einem Blutdruckmessgerät und zehn Minuten Zeit selbst nachweisen können. Und es ist der einzige Schwindel, bei dem Sie mit vier einfachen Maßnahmen oft schon in wenigen Tagen einen Unterschied merken.
Was beim Aufstehen im Körper passiert
Wenn Sie sich aufrichten, versacken schlagartig mehrere hundert Milliliter Blut in den Beinen und im Bauchraum. Normalerweise gleicht der Kreislauf das binnen Sekunden aus: Die Gefäße verengen sich, das Herz schlägt schneller. Gelingt das nicht schnell genug, wird das Gehirn kurz unterversorgt – und genau das spüren Sie als Schwindel, Schwarzwerden oder Ohrensausen. Mediziner nennen es orthostatische Dysregulation.
Er dauert Sekunden, tritt nur nach dem Aufrichten auf, macht eher schwarz vor Augen als Drehen – und ist morgens, nach heißem Duschen, nach großen Mahlzeiten und bei Hitze deutlich stärker.
Wichtige Abgrenzung: Kommt der Schwindel beim Aufstehen und beim Hinlegen und dreht er sich dabei, sprechen wir über etwas anderes – dann ist ein Lagerungsschwindel wahrscheinlicher, und die Behandlung ist eine völlig andere. Der Unterschied liegt in der Empfindung: Drehen wie im Karussell spricht für das Innenohr (hier geht es zu den Befreiungsmanövern), Schwarzwerden und Leichtigkeit im Kopf für den Kreislauf.
Der Selbsttest für zu Hause
Sie brauchen ein Blutdruckmessgerät, einen Zettel und zehn Minuten. Dieser vereinfachte Schellong-Test liefert genau die Zahlen, die Ihre Ärztin braucht – und die sonst niemand erhebt, weil im Sprechzimmer selten jemand fünf Minuten liegt.
✓ Fünf Minuten ruhig liegen, dann Blutdruck und Puls messen und notieren
✓ Aufstehen, nach 1 Minute im Stehen messen und notieren
✓ Nach 3 Minuten im Stehen erneut messen und notieren
▸ Notieren Sie auch, ob dabei Ihre Beschwerden auftreten – das ist die wichtigste Information
So werten Sie aus: Auffällig ist ein Abfall des oberen Wertes um 20 mmHg oder mehr oder des unteren um 10 mmHg oder mehr – besonders, wenn dabei Ihre gewohnten Beschwerden auftreten. Steigt gleichzeitig der Puls stark an, ist auch das eine verwertbare Information. Nehmen Sie den Zettel mit in die Praxis; drei Zahlenpaare sagen mehr als zehn Sätze Beschreibung.
Was wirklich hilft – in der Reihenfolge der Wirksamkeit
| Maßnahme | So geht’s |
|---|---|
| Mehr trinken | 2 bis 2,5 Liter täglich, sofern Herz und Nieren das erlauben. Ein Glas Wasser zügig getrunken hebt den Blutdruck messbar für etwa eine halbe Stunde. |
| Salz nicht knapp halten | Sofern kein Bluthochdruck vorliegt. Sprechen Sie das bei bekanntem Hochdruck vorher ärztlich ab. |
| Aufstehritual | Im Bett aufsetzen, zehnmal die Füße wippen, Beine anspannen – erst dann aufstehen. Die wichtigste Minute des Tages. |
| Gegenmanöver | Bei aufkommendem Schwindel im Stehen: Beine überkreuzen und fest anspannen, Gesäßmuskeln anspannen, Fäuste ballen. Hebt den Blutdruck sofort. |
| Kompressionsstrümpfe | Unbeliebt, aber bei ausgeprägter Orthostase wirksam. |
| Auslöser meiden | Heißes Duschen, Sauna, große Mahlzeiten, Alkohol, langes bewegungsloses Stehen. |
Der häufigste übersehene Grund: die Medikamente
Wenn Ihr Schwindel beim Aufstehen innerhalb weniger Wochen nach einer neuen Verordnung oder Dosisänderung begonnen hat, ist das bis zum Beweis des Gegenteils die Ursache. Besonders häufig sind Blutdrucksenker und Entwässerungstabletten, Beruhigungs- und Schlafmittel, Antidepressiva, Neuroleptika, Opioide sowie Prostata- und Blasenmedikamente.
Erstellen Sie stattdessen eine Liste mit allen Präparaten, Dosis und Beginndatum – auch rezeptfreie Mittel und Nahrungsergänzung – und markieren Sie die Verdächtigen. Der Satz, der wirkt: „Könnte eines dieser Medikamente meinen Schwindel verursachen – und gibt es eine Alternative?“
Ab 60 ist es keine Bagatelle
Die eigentliche Gefahr des Kreislaufschwindels ist nicht der Schwindel, sondern der Sturz. Im höheren Lebensalter kommen typischerweise mehrere kleine Ursachen zusammen – Blutdruck, Medikamente, eine neue Gleitsichtbrille, nachlassende Sensibilität an den Füßen. Das ist die gute Nachricht: Vier kleine Verbesserungen ergeben zusammen einen großen Unterschied.
✓ Semi-Tandemstand an der Küchenzeile: ein Fuß halb vor den anderen, 30 Sekunden je Seite, 2 Durchgänge
✓ Aufstehen ohne Hände: 10-mal vom Stuhl aufstehen und hinsetzen, ohne sich abzustützen
✓ Fersen-Zehen-Gang: 10 Schritte an der Wand entlang, Blick geradeaus, 3 Durchgänge
▸ Dazu ein Nachtlicht auf dem Weg zum Bad – der häufigste Sturzort überhaupt
Wann Sie zum Arzt sollten
▸ Wenn Sie ohne Vorwarnung ohnmächtig geworden sind – dann gehört ein Langzeit-EKG dazu
▸ Wenn der Schwindel auch im Sitzen oder Liegen auftritt oder mit Herzstolpern einhergeht
▸ Wenn Sie in den letzten zwölf Monaten gestürzt sind
▸ Wenn die Selbstmaßnahmen nach zwei bis drei Wochen nichts ändern
⚠ Sofort bei Brustschmerz, Atemnot, Lähmung, Sprech- oder Sehstörung – siehe Alarmzeichen bei Schwindel
Häufige Fragen
Häufiger mit zu niedrigem Blutdruck oder mit den Medikamenten gegen den hohen. Sehr hoher Blutdruck kann Benommenheit machen – dann ist der Blutdruck selbst das Behandlungsziel.
Weil der Blutdruck morgens am niedrigsten ist und Sie über Nacht Flüssigkeit verloren haben. Deshalb wirkt das Aufstehritual morgens am stärksten.
Beim Kreislaufschwindel ja, und der Effekt ist deutlich. Bei Lagerungsschwindel ändert es dagegen nichts – das ist einer der Gründe, warum die richtige Einordnung so viel Zeit spart.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Änderungen an der Trink-, Salz- oder Medikamenteneinnahme gehören bei Herz-, Nieren- oder Bluthochdruckerkrankungen in ärztliche Absprache. Stand: September 2026.
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