Alzheimer 2026: 19 Studien, die Betroffene und Angehörige kennen sollten
Neue Antikörper, Bluttests, Vorbeugung und Alltagshilfen: was wirklich belegt ist und was Sie konkret tun können
Die Alzheimer-Therapie 2026 ist im Umbruch: Erstmals gibt es Infusionen, die den Verlauf bremsen, Bluttests machen die Diagnose einfacher, und große Studien zeigen, wie sich das Demenzrisiko senken lässt. Gleichzeitig sind manche Hoffnungen geplatzt. Diese Übersicht stellt 19 wichtige Studien aus führenden Fachzeitschriften wie NEJM, Lancet, JAMA und Nature verständlich vor, mit einer ehrlichen Bewertung der Beweiskraft und konkreten Tipps für den Alltag.
Inhalt
- ▸ Teil 1: Das Wichtigste 2026 auf einen Blick
- ▸ Teil 2 · A. Die neuen Antikörper-Infusionen
- ▸ Teil 2 · B. Diagnose: Alzheimer im Blut erkennen
- ▸ Teil 2 · C. Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben
- ▸ Teil 2 · D. Vorbeugen: Was das Risiko nachweislich senkt
- ▸ Teil 2 · E. Medikamente gegen Symptome: Nutzen und Risiken
- ▸ Teil 2 · F. Aktiv bleiben und Angehörige stärken
- ▸ Checkliste: Ist eine Antikörper-Therapie das Richtige für uns?
- ▸ Österreich: Gedächtnisambulanzen, Behandlungsstandard, Kosten
- ▸ Ausblick: Was 2026/27 noch kommt
- ▸ Häufige Fragen
Teil 1: Die Alzheimer-Therapie 2026 auf einen Blick
Antikörper sind da
Lecanemab (Leqembi) und Donanemab (Kisunla) sind seit 2025 in der EU zugelassen und in Deutschland und Österreich im Einsatz. Sie bremsen den Verlauf im Frühstadium um etwa ein Viertel bis ein Drittel. Sie heilen nicht.
Nur für wenige geeignet
Infrage kommen Menschen mit leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz, nachgewiesenem Amyloid, höchstens einer Kopie des Risikogens APOE4 und ohne Blutverdünner. Regelmäßige MRT-Kontrollen sind Pflicht.
Diagnose per Bluttest
p-Tau217-Bluttests erkennen die Alzheimer-Veränderungen mit rund 90 % Treffsicherheit. Sie sind sinnvoll bei Beschwerden, nicht als Vorsorge-Test, und meist noch Selbstzahlerleistung.
Geplatzte Hoffnungen
Semaglutid (Ozempic-Wirkstoff) wirkte in zwei großen Studien nicht gegen Alzheimer. Auch die MIND-Diät brachte in einer kontrollierten Studie keinen Zusatznutzen.
Vorbeugung wirkt
Gute Blutdruckeinstellung senkte Demenzfälle um 15 %. 14 Risikofaktoren erklären rund 45 % der Fälle. Die Gürtelrose-Impfung könnte zusätzlich schützen.
Alltag zählt
Kognitive Stimulation, Musik und Bewegung helfen ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Antipsychotika nur kurz und gezielt einsetzen, die klassischen Antidementiva bleiben die Basis.
Die beiden Antikörper im Vergleich
| Wirkstoff (Handelsname) | Lecanemab (Leqembi) | Donanemab (Kisunla) |
|---|---|---|
| Verabreichung | Infusion alle 2 Wochen | Infusion alle 4 Wochen |
| Verlangsamung in der Zulassungsstudie | ca. 27 % über 18 Monate | ca. 35 % (bei wenig Tau) über 76 Wochen |
| Hirnschwellungen (ARIA-E) | 12,6 % | 24 % (mit sanfterem Schema ca. 14–16 %) |
| Therapieende | laufend, Neubewertung nach 18 Monaten | möglich, sobald Amyloid entfernt ist |
| MRT-Kontrollen (EU) | vor der 3., 5., 7. und 14. Infusion | vor der 2., 3., 4. und 7. Infusion |
| Nicht geeignet bei | 2 Kopien APOE4, Blutverdünnern | 2 Kopien APOE4, Blutverdünnern |
MERKSATZ
Die neuen Antikörper verschieben die Uhr, sie halten sie nicht an. Wer sie bekommt, gewinnt im Durchschnitt einige Monate im früheren Stadium. Für alle anderen bleiben Blutdruck, Bewegung, geistige Aktivität, gute Medikamente und Unterstützung der Familie die wichtigsten Stellschrauben.
Teil 2
Auf den folgenden Seiten wird jede der 19 Studien kurz und praktisch erklärt: was untersucht wurde, was herauskam und was das für Sie bedeutet. Die farbige Markierung zeigt die Beweiskraft: hoch (große, kontrollierte Studien), mittel (gute Hinweise, aber Einschränkungen) oder niedrig (vorläufige Daten).
💉 A. Die neuen Antikörper-Infusionen
Erstmals gibt es Medikamente, die an der Ursache ansetzen: Sie räumen Amyloid-Ablagerungen (klebrige Eiweißklumpen) aus dem Gehirn. Das bremst den Verlauf, verlangt aber genaue Auswahl und Kontrolle.
Lecanemab (Leqembi): Das erste Mittel, das den Verlauf messbar bremst
In einem Satz: Unter Lecanemab verschlechterten sich Menschen im Frühstadium über 18 Monate um rund 27 % langsamer als unter Placebo.
In der CLARITY-AD-Studie erhielten 1.795 Menschen mit leichter kognitiver Störung (MCI, also Gedächtnisproblemen, die den Alltag noch kaum einschränken) oder leichter Alzheimer-Demenz 18 Monate lang alle zwei Wochen eine Infusion mit Lecanemab oder Placebo. Gemessen wurde mit der CDR-SB, einer Skala, die Gedächtnis, Orientierung und Alltagsfähigkeiten zusammenfasst.
Unter Lecanemab stieg der Wert um 1,21 Punkte, unter Placebo um 1,66 Punkte. Das entspricht etwa 27 % langsamerem Fortschreiten. Die Kehrseite: Bei 12,6 % traten Hirnschwellungen auf (ARIA-E, amyloidbedingte Bildveränderungen im MRT), meist ohne Beschwerden. Mikroblutungen (ARIA-H) kamen bei rund 17 % vor.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Rechnen Sie nicht mit einer spürbaren Verbesserung. Das Ziel ist, mehr gute Zeit zu gewinnen.
- ✓ Planen Sie den Aufwand ein: Infusion alle 2 Wochen und im ersten Jahr mindestens 4 MRT-Kontrollen.
- ✓ Fragen Sie nach dem APOE4-Test. Bei zwei Kopien des Risikogens ist Lecanemab in der EU nicht zugelassen.
Studie: van Dyck CH et al. Lecanemab in Early Alzheimer's Disease. N Engl J Med. 2023;388:9-21. doi.org/10.1056/NEJMoa2212948 · Große Phase-3-Studie
Donanemab (Kisunla): Die Behandlung darf enden, wenn das Amyloid weg ist
In einem Satz: Bei Menschen mit noch wenig Tau-Eiweiß verlief die Erkrankung unter Donanemab um etwa 35 % langsamer.
Die Studie TRAILBLAZER-ALZ 2 schloss 1.736 Menschen im Frühstadium ein. Die Infusionen erfolgten alle vier Wochen. Das Besondere: Sobald eine PET-Untersuchung (eine Bildgebung, die Amyloid sichtbar macht) kein Amyloid mehr zeigte, wurde die Behandlung beendet. Viele konnten so nach einem Jahr aufhören.
Am stärksten profitierten Menschen mit wenig Tau, dem zweiten krankhaften Eiweiß bei Alzheimer. Bei ihnen verlief die Erkrankung um etwa 35 % langsamer. Hirnschwellungen traten bei 24 % auf und damit häufiger als bei Lecanemab. Einzelne Todesfälle standen damit in Zusammenhang.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Je früher, desto besser: Wer eine Behandlung erwägt, sollte die Abklärung nicht aufschieben.
- ✓ Seltenere Infusionen (alle 4 Wochen) und ein mögliches Therapieende können den Alltag entlasten.
- ✓ Lassen Sie sich die Risiken für Ihre persönliche Situation erklären, besonders bei Blutdruckproblemen oder früheren Schlaganfällen.
Studie: Sims JR et al. Donanemab in Early Symptomatic Alzheimer Disease: The TRAILBLAZER-ALZ 2 Randomized Clinical Trial. JAMA. 2023;330:512-527. doi.org/10.1001/jama.2023.13239 · Große Phase-3-Studie
Langsamer einschleichen macht Donanemab sicherer
In einem Satz: Ein sanfteres Dosisschema senkte die Rate an Hirnschwellungen fast um die Hälfte, bei gleich gutem Amyloid-Abbau.
In TRAILBLAZER-ALZ 6 wurden 843 Menschen auf verschiedene Dosierungsschemata verteilt. Wurde die Dosis in den ersten Monaten langsamer gesteigert, sank der Anteil der Hirnschwellungen nach 24 Wochen von 23,7 % auf 13,7 %. Schwellungen mit Beschwerden gingen von 4,8 % auf 2,8 % zurück.
Wichtig: Das Amyloid wurde trotzdem genauso gründlich abgebaut. Dieses Schema wurde in die EU-Zulassung von Kisunla übernommen. Es zeigt, wie sich neue Therapien durch Folgestudien sicherer machen lassen.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Fragen Sie, nach welchem Schema dosiert wird. In der EU ist das sanftere Schema Standard.
- ✓ Neue Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Sehstörungen oder Schwindel sofort dem Behandlungsteam melden, besonders in den ersten Monaten.
Studie: Wang H et al. Modified titration of donanemab reduces ARIA risk and maintains amyloid reduction. Alzheimers Dement. 2025;21:e70062. doi.org/10.1002/alz.70062 · Randomisierte Studie zur Sicherheit
🩸 B. Diagnose: Alzheimer im Blut erkennen
Bisher brauchte es für den Nachweis der Alzheimer-Veränderungen eine PET-Untersuchung oder eine Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus dem Rücken). Bluttests machen das einfacher, aber nicht für jeden sinnvoll.
Bluttest erkennt Alzheimer besser als die übliche Abklärung
In einem Satz: Ein p-Tau217-Bluttest lag in rund 90 % der Fälle richtig, Hausärzte ohne Test nur in 61 %.
In Schweden untersuchten Forschende 1.213 Menschen mit Gedächtnisbeschwerden in Hausarztpraxen und Gedächtnisambulanzen. Verglichen wurde, wie gut Ärztinnen und Ärzte mit den üblichen Methoden (Gespräch, Tests, CT/MRT) die Alzheimer-Erkrankung erkennen und wie gut ein Bluttest auf p-Tau217 (ein Eiweißbruchstück, das bei Alzheimer im Blut ansteigt) abschneidet.
Der Bluttest traf in 88 bis 92 % der Fälle zu. Hausärzte lagen ohne Test nur in 61 % richtig, Fachärzte in 73 %. Als Vergleichsmaßstab diente die Nervenwasser-Untersuchung.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Ein Bluttest kann die Abklärung beschleunigen, ersetzt aber nicht das ärztliche Gespräch und die Untersuchung.
- ✓ Sinnvoll ist er vor allem, wenn bereits Gedächtnisprobleme bestehen und eine Therapieentscheidung ansteht.
Studie: Palmqvist S et al. Blood Biomarkers to Detect Alzheimer Disease in Primary Care and Secondary Care. JAMA. 2024;332:1245-1257. doi.org/10.1001/jama.2024.13855 · Große Diagnosestudie
Erste Leitlinie: Wann ein Alzheimer-Bluttest sinnvoll ist, und wann nicht
In einem Satz: Nur sehr genaue Tests dürfen PET oder Nervenwasser ersetzen, und nur bei Menschen mit Beschwerden.
Die US-amerikanische Alzheimer’s Association hat 2025 erstmals eine Leitlinie zu Bluttests veröffentlicht. Die Kernaussage: Nur Tests, die mindestens 90 % der Erkrankten erkennen und mindestens 90 % der Gesunden korrekt als unauffällig einstufen, dürfen eine PET oder Lumbalpunktion ersetzen. Das gilt nur für Menschen, die bereits Gedächtnisprobleme haben, und in der Facharztversorgung.
Eine begleitende Übersicht zeigte: Viele kommerzielle Tests erreichen diese Werte nicht. Für Menschen ohne Beschwerden wird ein Test ausdrücklich nicht empfohlen.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Kein Bluttest „aus Neugier“: Ein positives Ergebnis ohne Beschwerden ist keine Diagnose, kann aber sehr belasten.
- ✓ Vor einem Selbstzahler-Angebot fragen: Welcher Test genau? Wie gut ist er? Was folgt aus dem Ergebnis?
⚠ Achtung: Online-Tests ohne ärztliche Begleitung: Das Ergebnis kommt dann ohne Einordnung und ohne Ansprechpartner. Lassen Sie jeden Befund ärztlich besprechen.
Studie: Palmqvist S et al. Alzheimer's Association Clinical Practice Guideline on the use of blood-based biomarkers in the diagnostic workup of suspected Alzheimer's disease within specialized care settings. Alzheimers Dement. 2025;21:e70535. doi.org/10.1002/alz.70535 · Leitlinie nach GRADE
✗ C. Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben
Studien ohne Nutzen sind genauso wichtig wie Erfolge. Sie schützen vor falschen Hoffnungen und unnötigen Ausgaben.
Semaglutid (Ozempic-Wirkstoff) hilft nicht gegen Alzheimer
In einem Satz: Zwei große Studien mit 3.808 Menschen zeigten nach zwei Jahren keinerlei Unterschied zu Placebo.
Beobachtungsdaten hatten Hoffnung gemacht: Menschen mit Diabetes, die GLP-1-Medikamente wie Semaglutid einnahmen, erkrankten seltener an Demenz. Deshalb startete der Hersteller die Studien EVOKE und EVOKE+ mit Semaglutid als Tablette bei Menschen mit früher Alzheimer-Erkrankung.
Nach 104 Wochen war das Ergebnis eindeutig: kein Unterschied zu Placebo bei Gedächtnis und Alltagsfähigkeiten. Beide Studien wurden eingestellt.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Semaglutid kann bei Übergewicht, Diabetes und für das Herz sinnvoll sein, aber nicht als Alzheimer-Medikament.
- ✓ Merken Sie sich die Lehre: Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, keine Wirkung. Erst kontrollierte Studien geben Gewissheit.
Studie: Cummings JL et al. Efficacy and safety of oral semaglutide 14 mg (flexible dose) in early-stage symptomatic Alzheimer's disease (evoke and evoke+): two phase 3, randomised, placebo-controlled trials. Lancet. 2026;407:2167-2179. doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00459-9 · Zwei Phase-3-Studien, negativ
MIND-Diät: kein Zusatznutzen in der kontrollierten Studie
In einem Satz: Drei Jahre MIND-Diät brachten keinen messbaren Vorteil gegenüber einer normalen gesunden Kalorienreduktion.
Die MIND-Diät kombiniert Mittelmeerkost mit blutdrucksenkender Ernährung: viel Blattgemüse, Beeren, Nüsse, Olivenöl, Fisch, wenig rotes Fleisch und Süßes. In einer Studie mit 604 älteren Menschen mit Übergewicht ernährte sich die Hälfte drei Jahre lang nach MIND, die andere Hälfte reduzierte leicht die Kalorien.
Beide Gruppen verbesserten ihre Denkleistung ähnlich. Auch im MRT fanden sich keine Unterschiede. Möglicherweise hat allein die Gewichtsabnahme beiden Gruppen geholfen.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Gesunde Ernährung lohnt sich trotzdem für Herz, Gefäße und Blutdruck, und damit indirekt für das Gehirn.
- ✓ Seien Sie skeptisch bei Produkten oder Kursen, die eine „Anti-Alzheimer-Diät“ versprechen.
Studie: Barnes LL et al. Trial of the MIND Diet for Prevention of Cognitive Decline in Older Persons. N Engl J Med. 2023;389:602-611. doi.org/10.1056/NEJMoa2302368 · Randomisierte Studie, negativ
🛡 D. Vorbeugen: Was das Risiko nachweislich senkt
Diese Studien sind auch für Angehörige wichtig, denn Kinder und Geschwister von Betroffenen fragen sich oft, was sie selbst tun können.
14 Risikofaktoren: Fast die Hälfte der Demenzfälle wäre theoretisch vermeidbar
In einem Satz: Die Lancet-Kommission schätzt, dass rund 45 % aller Demenzfälle auf 14 beeinflussbare Faktoren zurückgehen.
Eine internationale Expertenkommission wertet regelmäßig die gesamte Forschung zu Demenz-Risikofaktoren aus. 2024 kamen zwei neue Faktoren hinzu: hohes LDL-Cholesterin und unbehandelte Sehschwäche.
Die vollständige Liste: geringe Bildung, Hörverlust, hohes LDL-Cholesterin, Depression, Kopfverletzungen, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, übermäßiger Alkohol, soziale Isolation, Luftverschmutzung und Sehverlust. Die 45 % sind eine Modellrechnung, keine Garantie für den Einzelnen.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Lassen Sie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker regelmäßig kontrollieren.
- ✓ Hör- und Sehtest ab 60 alle paar Jahre, Hörgerät oder Brille auch wirklich tragen.
- ✓ In Kontakt bleiben: Vereine, Freunde, Enkel, Ehrenamt zählen mit.
Studie: Livingston G et al. Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet. 2024;404:572-628. doi.org/10.1016/S0140-6736(24)01296-0 · Modellrechnung auf Basis vieler Studien
Blutdruck senken senkt das Demenzrisiko
In einem Satz: Gezielte Blutdrucksenkung unter 130/80 mmHg führte zu 15 % weniger Demenzfällen.
In 326 Dörfern in China wurden 33.995 Menschen mit Bluthochdruck entweder normal versorgt oder von geschulten Dorfärzten intensiv betreut, mit dem Ziel unter 130/80 mmHg. Der obere Blutdruckwert sank in der Interventionsgruppe um 22 mmHg stärker.
Nach vier Jahren traten dort 15 % weniger Demenzfälle auf. Schwere Nebenwirkungen waren sogar seltener als bei üblicher Versorgung. Das ist einer der stärksten Belege, dass sich Demenz tatsächlich vorbeugen lässt.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Messen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig zu Hause und notieren Sie die Werte.
- ✓ Blutdrucktabletten nicht eigenmächtig absetzen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihren Zielwert.
Studie: He J et al. Blood pressure reduction and all-cause dementia in people with uncontrolled hypertension: an open-label, blinded-endpoint, cluster-randomized trial. Nat Med. 2025;31:2054-2061. doi.org/10.1038/s41591-025-03616-8 · Große randomisierte Studie
US POINTER: Ein strukturiertes Lebensstil-Programm hält geistig fitter
In einem Satz: Begleitete Bewegung, Ernährung, Gehirntraining und Gesundheitschecks wirkten etwas besser als Selbstorganisation.
2.111 Menschen zwischen 60 und 79 Jahren mit erhöhtem Demenzrisiko nahmen zwei Jahre lang an einem Lebensstil-Programm teil. Eine Gruppe hatte feste Termine mit Trainern und Gruppentreffen, die andere organisierte sich mit Informationsmaterial selbst.
Beide Gruppen verbesserten ihre Denkleistung. Die strukturierte Gruppe schnitt etwas besser ab, auch Menschen mit dem Risikogen APOE4. Der Unterschied ist klein, und ob Demenz dadurch verhindert wird, zeigt die Studie noch nicht.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Feste Termine wirken besser als gute Vorsätze: Sportgruppe, Tanzkurs oder Wanderverein.
- ✓ Kombinieren Sie: Bewegung, geistige Herausforderung, gesunde Ernährung und soziale Kontakte.
Studie: Baker LD et al. Structured vs Self-Guided Multidomain Lifestyle Interventions for Global Cognitive Function: The US POINTER Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025;334:681-691. doi.org/10.1001/jama.2025.12923 · Randomisierte Studie, kleiner Effekt
Hörgeräte: Nutzen vor allem bei Menschen mit erhöhtem Risiko
In einem Satz: Insgesamt kein Effekt, aber bei Risikopersonen verlief der geistige Abbau fast um die Hälfte langsamer.
In der ACHIEVE-Studie bekamen 977 Menschen zwischen 70 und 84 Jahren mit Hörverlust entweder Hörgeräte samt Beratung oder allgemeine Gesundheitsinformationen. Über drei Jahre unterschied sich der geistige Abbau insgesamt nicht.
In einer vorab festgelegten Teilgruppe mit höherem Risiko (etwa ein Viertel der Teilnehmenden) verlief der Abbau mit Hörgerät aber um rund 48 % langsamer. Dieses Ergebnis muss noch bestätigt werden.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Hörverlust ernst nehmen: Wer schlecht hört, zieht sich oft zurück, und Einsamkeit ist selbst ein Risikofaktor.
- ✓ Ein Hörgerät hilft nur, wenn es getragen wird. Geduld bei der Anpassung lohnt sich.
Studie: Lin FR et al. Hearing intervention versus health education control to reduce cognitive decline in older adults with hearing loss in the USA (ACHIEVE): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet. 2023;402:786-797. doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01406-X · Hauptziel verfehlt, positive Teilgruppe
Gürtelrose-Impfung: rund 20 % weniger Demenz-Diagnosen
In einem Satz: Ein natürliches Experiment in Wales zeigt: Geimpfte bekamen über sieben Jahre seltener eine Demenzdiagnose.
In Wales durfte ab 2013 nur geimpft werden, wer nach einem bestimmten Stichtag geboren war. Menschen, die nur wenige Tage älter waren, gingen leer aus. Dieser Zufall ermöglichte einen fast so fairen Vergleich wie eine randomisierte Studie.
Geimpfte erhielten über sieben Jahre rund 20 % seltener eine Demenzdiagnose, Frauen profitierten stärker. Ähnliche Ergebnisse kamen später aus Australien (JAMA 2025) und Kanada (Lancet Neurology 2026). Eine echte randomisierte Studie fehlt noch.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Die Gürtelrose-Impfung wird in Deutschland ab 60 Jahren empfohlen (bei Grunderkrankungen ab 50) und in Österreich ab 50 Jahren. Sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt an.
- ✓ Gut zu wissen: Die Daten stammen überwiegend vom älteren Lebendimpfstoff. Heute wird der Totimpfstoff Shingrix verwendet, für den erste Beobachtungsdaten ebenfalls günstig aussehen.
Studie: Eyting M et al. A natural experiment on the effect of herpes zoster vaccination on dementia. Nature. 2025;641:438-446. doi.org/10.1038/s41586-025-08800-x · Natürliches Experiment, mehrfach bestätigt
💊 E. Medikamente gegen Symptome: Nutzen und Risiken
Neben den neuen Antikörpern bleiben klassische Medikamente wichtig. Bei Unruhe und Aggression gilt es, Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abzuwägen.
Brexpiprazol gegen Unruhe und Aggression bei Alzheimer
In einem Satz: Das Antipsychotikum linderte Agitation etwas stärker als Placebo; der Effekt war klein bis mäßig.
Agitation, also starke Unruhe, Rastlosigkeit, Schreien oder Aggression, belastet Betroffene und Angehörige enorm. In einer zwölfwöchigen Studie mit 345 Menschen mit Alzheimer-Demenz und Agitation wurde Brexpiprazol mit Placebo verglichen.
Unter Brexpiprazol besserten sich die Beschwerden stärker, der Unterschied war aber klein bis mäßig. In den USA ist das Mittel für diese Anwendung zugelassen, in der EU nicht.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Zuerst nach Auslösern suchen: Schmerzen, Harnwegsinfekt, Verstopfung, Hunger, Durst, Lärm oder Überforderung.
- ✓ Tagesstruktur, Bewegung und ruhige Umgebung helfen oft mehr als Tabletten.
Studie: Lee D et al. Brexpiprazole for the Treatment of Agitation in Alzheimer Dementia: A Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol. 2023;80:1307-1316. doi.org/10.1001/jamaneurol.2023.3810 · Randomisiert, kleiner Effekt
Antipsychotika bei Demenz: deutlich mehr Lungenentzündungen und Schlaganfälle
In einem Satz: Wer Antipsychotika bekam, hatte ein doppelt so hohes Risiko für eine Lungenentzündung.
Englische Hausarztdaten von 173.910 Menschen mit Demenz zeigen die Schattenseite dieser Medikamente (etwa Risperidon, Quetiapin, Haloperidol). Während der Einnahme traten Lungenentzündungen gut doppelt so häufig auf, dazu mehr Schlaganfälle, Thrombosen, Knochenbrüche, akutes Nierenversagen und Herzinfarkte.
Besonders riskant waren die ersten Wochen: In den ersten 90 Tagen bekamen 4,5 % der Behandelten eine Lungenentzündung, gegenüber 1,5 % ohne diese Mittel.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Fragen Sie bei jeder Verordnung: Warum? Wie lange? In welcher Dosis? Wann wird überprüft?
- ✓ Nach einigen Wochen sollte ein Absetzversuch besprochen werden.
⚠ Achtung: Nach Beginn eines Antipsychotikums auf Fieber, Husten, Atemnot, plötzliche Lähmungen oder Sprachstörungen achten und dann sofort ärztliche Hilfe holen.
Studie: Mok PLH et al. Multiple adverse outcomes associated with antipsychotic use in people with dementia: population based matched cohort study. BMJ. 2024;385:e076268. doi.org/10.1136/bmj-2023-076268 · Große Beobachtungsstudie
Die bewährten Antidementiva: langfristig mit langsamerem Abbau verbunden
In einem Satz: Nutzer von Donepezil, Rivastigmin oder Galantamin bauten langsamer ab und lebten länger.
Im schwedischen Demenzregister wurden 11.652 Menschen, die Cholinesterasehemmer einnahmen (Medikamente, die den Botenstoff Acetylcholin im Gehirn länger wirken lassen), rund fünf Jahre lang mit 5.826 Nicht-Nutzern verglichen.
Nutzer verloren pro Jahr etwas weniger Punkte im Gedächtnistest und hatten eine um 27 % geringere Sterblichkeit. Da es eine Beobachtungsstudie ist, kann ein Teil des Unterschieds auch daran liegen, wer diese Mittel verschrieben bekommt.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Die „alten“ Medikamente bleiben die Basisbehandlung, auch zusätzlich zu einer Antikörper-Therapie.
- ✓ Häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall lassen sich durch langsames Aufdosieren oder ein Pflaster oft vermeiden.
- ✓ Nicht vorschnell absetzen, sondern gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt entscheiden.
Studie: Xu H et al. Long-term Effects of Cholinesterase Inhibitors on Cognitive Decline and Mortality. Neurology. 2021;96:e2220-e2230. doi.org/10.1212/WNL.0000000000011832 · Beobachtungsstudie
🤝 F. Aktiv bleiben und Angehörige stärken
Was Sie im Alltag selbst tun können, ist oft wirksamer, als viele denken, und hat kaum Nebenwirkungen.
Kognitive Stimulation in der Gruppe fördert Denken und Kommunikation
In einem Satz: Gemeinsame Gesprächs- und Denkaktivitäten verbesserten Gedächtnis und soziales Miteinander.
Eine Cochrane-Übersicht (Cochrane ist ein unabhängiges Netzwerk, das Studien besonders streng auswertet) fasst 37 Studien mit 2.766 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz zusammen. Kognitive Stimulation bedeutet: Gruppentreffen mit Gesprächen über aktuelle Themen, Wortspielen, Erinnerungsarbeit, Musik und Alltagsaufgaben.
Das Denkvermögen verbesserte sich kurzfristig um durchschnittlich rund 2 Punkte im Mini-Mental-Test. Kommunikation und soziales Miteinander verbesserten sich deutlich, Lebensqualität und Stimmung leicht.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Am besten wirkt es mindestens zweimal pro Woche und im frühen Stadium.
- ✓ Fragen Sie in Tageszentren, Gedächtnisambulanzen oder bei Alzheimer-Gesellschaften nach Gruppenangeboten.
Studie: Woods B et al. Cognitive stimulation to improve cognitive functioning in people with dementia. Cochrane Database Syst Rev. 2023;1:CD005562. doi.org/10.1002/14651858.CD005562.pub3 · Cochrane-Übersicht
Musik hebt die Stimmung, solange sie regelmäßig stattfindet
In einem Satz: Mindestens fünf Musiktherapie-Sitzungen verringern depressive Symptome leicht.
Die Cochrane-Analyse von 30 Studien mit 1.720 Teilnehmenden, meist in Pflegeheimen, zeigt: Regelmäßige Musiktherapie (gemeinsames Singen, Musizieren oder gezieltes Hören) verringert depressive Symptome leicht und kann Verhaltensprobleme insgesamt lindern.
Auf Unruhe und Aggression hatte Musik allein keinen klaren Einfluss. Nach dem Ende der Sitzungen verschwand die Wirkung wieder.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Erstellen Sie eine Playlist mit den Lieblingsliedern aus der Jugend, denn alte Musik bleibt oft lange im Gedächtnis.
- ✓ Machen Sie Musik zu einem festen täglichen Ritual, nicht nur zu einem gelegentlichen Ausnahme-Erlebnis.
Studie: van der Steen JT et al. Music-based therapeutic interventions for people with dementia. Cochrane Database Syst Rev. 2025;3:CD003477. doi.org/10.1002/14651858.CD003477.pub5 · Cochrane-Übersicht
Einfache Bewegung zu Hause hilft auch bei bestehender Demenz
In einem Satz: Übungen ohne großes Equipment verbesserten Denken, Fitness und Alltagsfähigkeiten.
Eine Auswertung von 26 randomisierten Studien mit 1.843 zu Hause lebenden Menschen mit Demenz untersuchte Übungsprogramme, die mit wenig oder keinen Geräten auskommen: Gehen, Aufstehen vom Stuhl, Kraft- und Gleichgewichtsübungen.
Die Programme verbesserten Denkleistung, körperliche Fitness, Alltagsfähigkeiten und Lebensqualität. Die Einzelstudien waren meist klein, daher ist die Aussagekraft begrenzt.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Täglich gemeinsam spazieren gehen ist ein guter Anfang.
- ✓ Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut kann ein sicheres Heimprogramm zusammenstellen, das auch Stürzen vorbeugt.
Studie: Tou NX et al. Exercise Interventions Involving Minimal Equipment for Community-Dwelling Adults With Dementia: A Systematic Review and Meta-analysis. J Am Med Dir Assoc. 2025;26:105917. doi.org/10.1016/j.jamda.2025.105917 · Viele kleine Studien
Begleitprogramme für Familien: mehr Sicherheit, aber keine Wunder
In einem Satz: Demenz-Lotsen stärkten die Zuversicht der Angehörigen, senkten aber nicht deren Belastung.
Die große D-CARE-Studie in den USA verglich bei 2.176 Paaren aus erkrankter Person und pflegendem Angehörigen zwei Betreuungsmodelle (spezialisierte Demenzpflege über das Krankenhaus oder Beratung durch Sozialdienste) mit der üblichen Versorgung.
Verhaltensprobleme und die Belastung der Angehörigen gingen nicht zurück. Die Angehörigen fühlten sich aber sicherer im Umgang mit der Erkrankung und waren mit der Versorgung zufriedener.
✓ Praxis-Tipp: Was Sie tun können
- ✓ Holen Sie sich früh Beratung und einen festen Ansprechpartner, bevor die Überlastung kommt.
- ✓ Angehörigengruppen bieten Austausch mit Menschen in der gleichen Situation.
- ✓ Planen Sie bewusst Auszeiten ein: Tagespflege und Ersatzpflege sind dafür da.
Studie: Reuben DB et al. Health System, Community-Based, or Usual Dementia Care for Persons With Dementia and Caregivers: The D-CARE Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025;333:950-961. doi.org/10.1001/jama.2024.25056 · Große randomisierte Studie
Checkliste für Angehörige: Ist eine Antikörper-Therapie das Richtige für uns?
Diese Seite können Sie ausdrucken und zum Termin in der Gedächtnisambulanz mitnehmen. Sie ersetzt keine ärztliche Prüfung, hilft aber, die richtigen Fragen zu stellen und realistische Erwartungen zu haben.
☐ Kommt eine Antikörper-Therapie für uns infrage?
1Stadium und Diagnose
- ☐ Die Gedächtnisprobleme sind da, aber der Alltag gelingt noch weitgehend selbstständig (leichte kognitive Störung oder leichte Demenz; in Österreich z. B. MMST ≥ 22).
- ☐ Alzheimer-Amyloid wurde nachgewiesen: per Amyloid-PET oder Nervenwasser-Untersuchung.
- ☐ Der APOE4-Gentest ist gemacht: keine oder nur eine Kopie des Risikogens (bei zwei Kopien in der EU nicht zugelassen).
2Gesundheit und Sicherheit
- ☐ Keine Blutverdünner wie Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran, Edoxaban oder Marcumar. (ASS allein ist meist erlaubt.)
- ☐ Das MRT zeigt höchstens 4 Mikroblutungen und keine größere Hirnblutung.
- ☐ Kein Schlaganfall und keine TIA in den letzten 12 Monaten, keine unkontrollierte Epilepsie.
- ☐ Der Blutdruck ist gut eingestellt.
3Alltag und Organisation
- ☐ Das Behandlungszentrum ist regelmäßig erreichbar: Infusion alle 2 Wochen (Leqembi) oder alle 4 Wochen (Kisunla).
- ☐ Eine Begleitperson kann zu Infusionen und Kontrollen mitkommen.
- ☐ Mindestens 4 zusätzliche MRT-Termine im ersten Jahr sind machbar (kein Herzschrittmacher-Problem, keine starke Platzangst).
- ☐ Wir kennen die Warnzeichen und wissen, wen wir anrufen: neue Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Sehstörungen, Schwindel, Gangunsicherheit, Krampfanfall.
4Erwartungen und Werte
- ☐ Wir haben verstanden: Die Therapie bremst den Verlauf, sie stoppt ihn nicht und verbessert das Gedächtnis nicht.
- ☐ Nutzen und Risiken (Hirnschwellungen, Blutungen) wurden in Ruhe mit uns besprochen.
- ☐ Die erkrankte Person will die Behandlung selbst und kann zustimmen.
- ☐ Die Basisbehandlung (Antidementiva, Bewegung, Aktivierung) läuft weiter.
Fragen fürs Arztgespräch
- ▸ Wie sicher ist die Diagnose, und wie wurde Amyloid nachgewiesen?
- ▸ Welches Mittel passt besser zu uns, und warum?
- ▸ Wie hoch ist unser persönliches Risiko für Hirnschwellungen?
- ▸ Wer ist unser Ansprechpartner bei Warnzeichen, auch am Wochenende?
- ▸ Wann und woran entscheiden wir, ob die Behandlung beendet wird?
- ▸ Welche Kosten oder Wartezeiten kommen auf uns zu?
Österreich: Gedächtnisambulanzen, Behandlungsstandard und Kosten
Ausblick: Was 2026/27 noch kommt
| Thema | Stand |
|---|---|
| Trontinemab (Roche) | Neuer Antikörper, der das Amyloid in frühen Studien sehr schnell abbaute, mit wenig Hirnschwellungen. Die Phase-3-Studien laufen; Ergebnisse werden etwa 2028 erwartet. |
| Lecanemab als Spritze | In den USA seit Juli 2026 auch zum Behandlungsbeginn als Spritze unter die Haut zugelassen (Leqembi Iqlik). In der EU noch nicht. |
| Remternetug (Lilly) | Antikörper zur Selbstinjektion, Phase 3 läuft. |
| AR1001 / Mirodenafil | Große Tablettenstudie mit 1.535 Teilnehmenden; Ergebnisse angekündigt für November 2026. |
| Cobenfy bei Alzheimer-Psychosen | Studie ADEPT verzögert, Ergebnisse frühestens 2027. |
| Bluttests als Kassenleistung | In der EU ist seit Mai 2026 der erste p-Tau217-Test CE-zertifiziert. Eine Kostenübernahme in Deutschland und Österreich steht noch aus. |
| Lithium | Eine Mausstudie (Nature 2025) weckte Interesse. Es gibt keine Studien am Menschen. Bitte nicht auf eigene Faust einnehmen. |
| Blarcamesin | EMA-Ausschuss negativ (12/2025), Antrag zurückgezogen. In der EU nicht verfügbar. |
Häufige Fragen
Kommt die Antikörper-Therapie für meinen Vater mit mittelschwerer Demenz infrage?
Nein. Zugelassen sind Lecanemab und Donanemab nur bei leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz. In späteren Stadien ist kein Nutzen belegt, die Risiken bleiben aber bestehen. Hier helfen Antidementiva, Aktivierung und gute Pflege.
Wie lange dauert die Behandlung mit den neuen Antikörpern?
Lecanemab wird laufend alle zwei Wochen gegeben; nach 18 Monaten werden Nutzen und Risiko neu bewertet. Donanemab kann beendet werden, sobald das Amyloid im PET verschwunden ist, bei vielen nach 12 bis 18 Monaten.
Sollte ich einen Alzheimer-Bluttest machen, obwohl ich keine Beschwerden habe?
Das wird derzeit nicht empfohlen. Ein positives Ergebnis ohne Symptome ist keine Diagnose, eine Therapie gibt es für diese Situation nicht, und die psychische Belastung kann erheblich sein.
Hilft die Gürtelrose-Impfung sicher gegen Demenz?
Das ist noch nicht bewiesen. Mehrere starke Beobachtungsstudien deuten auf einen Schutz hin, randomisierte Studien fehlen. Die Impfung ist aber ohnehin empfohlen und schützt zuverlässig vor Gürtelrose und Nervenschmerzen danach.
Was kann ich als Angehöriger heute konkret tun?
Bestehende Medikamente regelmäßig überprüfen lassen, Bewegung und Musik in den Alltag einbauen, Beratung und Entlastungsangebote früh nutzen und auf die eigene Gesundheit achten. Ihre Kraft ist die wichtigste Ressource in der Pflege.
⚠ Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob eine Therapie, ein Test oder eine Impfung für Sie infrage kommt, besprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bzw. Ihrer Gedächtnisambulanz. Setzen Sie keine Medikamente eigenmächtig ab. Zulassungs-, Erstattungs- und Studienstand: September 2026.
Quellen
- van Dyck CH et al. Lecanemab in Early Alzheimer's Disease. N Engl J Med. 2023;388:9-21. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2212948
- Sims JR et al. Donanemab in Early Symptomatic Alzheimer Disease: The TRAILBLAZER-ALZ 2 Randomized Clinical Trial. JAMA. 2023;330:512-527. https://doi.org/10.1001/jama.2023.13239
- Wang H et al. Modified titration of donanemab reduces ARIA risk and maintains amyloid reduction. Alzheimers Dement. 2025;21:e70062. https://doi.org/10.1002/alz.70062
- Palmqvist S et al. Blood Biomarkers to Detect Alzheimer Disease in Primary Care and Secondary Care. JAMA. 2024;332:1245-1257. https://doi.org/10.1001/jama.2024.13855
- Palmqvist S et al. Alzheimer's Association Clinical Practice Guideline on the use of blood-based biomarkers in the diagnostic workup of suspected Alzheimer's disease within specialized care settings. Alzheimers Dement. 2025;21:e70535. https://doi.org/10.1002/alz.70535
- Cummings JL et al. Efficacy and safety of oral semaglutide 14 mg (flexible dose) in early-stage symptomatic Alzheimer's disease (evoke and evoke+): two phase 3, randomised, placebo-controlled trials. Lancet. 2026;407:2167-2179. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00459-9
- Barnes LL et al. Trial of the MIND Diet for Prevention of Cognitive Decline in Older Persons. N Engl J Med. 2023;389:602-611. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2302368
- Livingston G et al. Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet. 2024;404:572-628. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(24)01296-0
- He J et al. Blood pressure reduction and all-cause dementia in people with uncontrolled hypertension: an open-label, blinded-endpoint, cluster-randomized trial. Nat Med. 2025;31:2054-2061. https://doi.org/10.1038/s41591-025-03616-8
- Baker LD et al. Structured vs Self-Guided Multidomain Lifestyle Interventions for Global Cognitive Function: The US POINTER Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025;334:681-691. https://doi.org/10.1001/jama.2025.12923
- Lin FR et al. Hearing intervention versus health education control to reduce cognitive decline in older adults with hearing loss in the USA (ACHIEVE): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet. 2023;402:786-797. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01406-X
- Eyting M et al. A natural experiment on the effect of herpes zoster vaccination on dementia. Nature. 2025;641:438-446. https://doi.org/10.1038/s41586-025-08800-x
- Lee D et al. Brexpiprazole for the Treatment of Agitation in Alzheimer Dementia: A Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol. 2023;80:1307-1316. https://doi.org/10.1001/jamaneurol.2023.3810
- Mok PLH et al. Multiple adverse outcomes associated with antipsychotic use in people with dementia: population based matched cohort study. BMJ. 2024;385:e076268. https://doi.org/10.1136/bmj-2023-076268
- Xu H et al. Long-term Effects of Cholinesterase Inhibitors on Cognitive Decline and Mortality. Neurology. 2021;96:e2220-e2230. https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000011832
- Woods B et al. Cognitive stimulation to improve cognitive functioning in people with dementia. Cochrane Database Syst Rev. 2023;1:CD005562. https://doi.org/10.1002/14651858.CD005562.pub3
- van der Steen JT et al. Music-based therapeutic interventions for people with dementia. Cochrane Database Syst Rev. 2025;3:CD003477. https://doi.org/10.1002/14651858.CD003477.pub5
- Tou NX et al. Exercise Interventions Involving Minimal Equipment for Community-Dwelling Adults With Dementia: A Systematic Review and Meta-analysis. J Am Med Dir Assoc. 2025;26:105917. https://doi.org/10.1016/j.jamda.2025.105917
- Reuben DB et al. Health System, Community-Based, or Usual Dementia Care for Persons With Dementia and Caregivers: The D-CARE Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025;333:950-961. https://doi.org/10.1001/jama.2024.25056
- Pomirchy M et al. Herpes Zoster Vaccination and Dementia Occurrence. JAMA. 2025;333:2083-2092. https://doi.org/10.1001/jama.2025.5013
- Pomirchy M et al. Herpes zoster vaccination and incident dementia in Canada: an analysis of natural experiments. Lancet Neurol. 2026;25:170-180. https://doi.org/10.1016/S1474-4422(25)00455-7
- Österreichische Alzheimer Gesellschaft: Lecanemab-SOP und Donanemab-SOP, Version 1, 11/2025. alzheimer-gesellschaft.at
- Gesundheitsportal Österreich: Gedächtnisambulanzen. gesundheit.gv.at
- oesterreich.gv.at: Unterstützung für pflegende Angehörige (Stand 02/2026). oesterreich.gv.at
- ORF Science: Alzheimer-Antikörper in Österreich (04/2026). science.orf.at



